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schwedische Weihnachtsbräuche

Dienstag, den 18. Dezember 2007

Ich wurde gebeten, etwas über die Weihnachtstraditionen in Schweden erzählen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.

lebkuchenhaus

Grundsätzlich sind sich die Weihnachtstraditionen denen in Deutschland sehr ähnlich. Die Geschenke (Julklapp) bringt auch hier der Weihnachtsmann (Jultomten) am Abend des 24. Dezember. Allerdings wohnt der schwedische Weihnachtsmann weder am Nordpol noch in Finnland, sondern in Nordschweden. In den Wohnstuben gibt es Tannenbäume und es ist reiner Wahnsinn am Samstag Nachmittag vor dem 3. Advent in ein Kaufhaus zu gehen um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Darüber hinaus gibt es aber doch einige Besonderheiten, die es wert sind berichtet zu werden.

Lucia-Fest

Lucia
image by N_Creatures

Eine der Besonderheiten in der schwedischen Vorweihnachtszeit ist das Lucia-Fest, welches am 13. Dezember gefeiert wird. Bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders war dies der kürzeste Tag des Jahres (Wintersonnenwende). Früher markierte dieser Tag das Ende der winterlichen Feldarbeit und den Beginn des vorweihnachtlichen Fastens. Heute ist es Brauch, dass an diesen Tag sich die Mädchen weiße Gewänder anziehen und singen. Dabei gibt es eine “Lucia” (in Familien traditionell die älteste Tochter), die einen Kranz aus Kerzen auf dem Kopf trägt. Die Mädchen um sie herum tragen je eine Kerze in der Hand. Heutzutage werden aus Sicherheitsgründen oft elektrische Kerzen verwendet und bei Familien mit mehreren Töchtern wird die Lucia jedes Jahr gewechselt, dass sich die jüngeren Töchter nicht benachteiligt fühlen. Jungen sind oft auch als Sternenjungen mit dabei. Gemeinsam werden dann Lucia-Lieder gesungen, Weihnachtsgebäck gegessen (siehe nächsten Absatz).
Das erste Mal wird Lucia meist morgens im Kreise der Familie gefeiert und anschließend auch in Kindergärten, Schulen, Kirchen und an Arbeitsplätzen (dann durchaus in etwas älterer Besetzung). In Schweden ist der Luciatag übrigens kein Feiertag.

Weihnachtsgebäck und -getränk

Auch wenn alle 3 der nun hier vorgestellten Gebäcke das ganze Jahr über erhältlich sind, so bekommen sie jedoch zu Weihnachten eine besondere Bedeutung:

Pepparkakor (Pfefferkuchen)

pepparkakor

Wörtlich übersetzt Pfefferkuchen, auch wenn für die deutsche Auffassung wohl Spekulatius näher kommt als Lebkuchen. Sie sind allerdings nicht so kräftig gewürzt wie Spekulatius. Zu Weihnachtszeit sind sie sehr beliebt und werden im wahrsten Sinne des Wortes Eimerweise in Supermärkten verkauft. Aber auch im Rest des Jahres sind sie als Gebäck erhältlich und werden z.B. vielerorts zum Kaffee gereicht. Übrigens kann man sie auch herzhaft genießen, z.B. mit Käsepaste.

Kanelbulle (Zimtschnecke)

kanel-bulle

Dieses Gebäck verdeutlicht gleich zwei schwedische Backbesonderheiten: zum einen Zimt! Es wird hier unheimlich viele Sachen mit unheimlich viel Zimt gebacken. Zum anderen Bulle. Dieses Wort hat keine eindeutige deutsche Übersetzung. Ich habe inzwischen auch aufgegeben eine zu finden. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass dieses Wort für so ziemlich jedes rundliches Gebäck in Portionsgröße gebraucht werden kann, ganz egal was drin ist, wie es gebacken wurde oder wie und wann man es isst. Aufgrund der Form der Kanelbulle wird das @-Zeichen auch gelegentlich als “Kanelbulle” bezeichnet, auch wenn es sonst auf schwedisch “Snabel-A” heißt.

Lussekatt (wörtlich: Luciakatze)

lussekatter

Im weiteren Sinne kann man es mit Safranzopf übersetzten. Es handelt sich um einen mit Safran versetzten Hefeteig, der meist die Form einen S hat. In den beiden Wirbels befinden sich Rosinen und die Windungen sind mit einer marzipanähnlichen Zuckermasse gefüllt. Dieses Gebäck wird besonders am Luciatag verspeist. Wie auch Zimt, ist Safran ein in Schweden sehr verbreitetes Gewürz für Gebäck, allerdings bezweifle ich bei den eingesetzten Mengen, dass es sich in den meisten Fällen um echten Safran handelt.

Glögg

Glögg ist das schwedische Pendent zum Glühwein. Allerdings ist er deutlich süßer und auch auf Weißweinbasis sehr verbreitet. Serviert wird er meist mit mehreren Rosinen und einigen Mandel in der Tasse.

Heilig Abend

Wie auch in Deutschland unterscheiden sich die einzelnen Traditionen am Heiligabend von Familie zu Familie. Was allerdings einen Großteil der Schweden am Heilig Abend verbindet ist eine Folge von Donald Duck (auf schwedisch: Kalle Anka), die jedes Jahr am 24.Dezember um 3 Uhr Nachmittags im Fernsehn läuft. Diese Tradition stammt aus der Zeit als es nur zwei schwedische Fernsehsender gab und die Programmvielfalt dementsprechend gering war. Für Kinder war diese Folge daher ein lang erwartetes Event. Durch die heutige Fernsehsituation ist es für Kinder jedoch bei weiten nicht mehr so aufregend und daher sind es in den meisten Familien die Eltern, die maßgeblich dafür sorgen, dass die Familie am Heilig Abend eine tollpatschigen Ente zusieht. Diese Folge hat hier eine vergleichbar hohen Kultcharakter wie “Dinner for One” in Deutschland, was hier übrigens auch läuft und bekannt ist, allerdings nicht in einem so hohen Maße.

Ich hoffe das hat die Frage nach schwedischen Weihnachtstraditionen beantwortet. Wenn auch ihr etwas bestimmtes über Schweden wissen wollte, schickt mir eine E-Mail oder schreibt einen Kommentar.
Noch ein kleiner Hinweis zum Abschluss: das meiste Wissen, welches ich hier niedergeschrieben habe basiert auf meiner eigenen Erfahrung oder aus Gesprächen mit anderen Leuten. Einiges habe ich auch extra noch einmal nachrecherchiert. Allerdings kann es durchaus sein, dass ich hier nur einen eingeschränkten Blick auf Schweden habe und es im Rest des Landes ganz anders zugeht als hier in Stockholm, was in den meisten Fällen nicht der Fall sein sollte. Bitte habt das jedoch im Hinterkopf, wenn ihr hier meine schwedischen Verallgemeinerungen lest.

Viel Grüße aus dem weihnachtlichen Stockholm
David

Rückblick: Wie ich an meinem Praktikumsplatz gekommen bin

Mittwoch, den 28. November 2007

Ich blogge hier nun schon eine ganze Weile, über mein Praktikum und mein Leben in Schweden, aber ich habe bisher noch nicht erzählt, ich ich überhaupt an dieses Praktikum gekommen bin, bzw. wieso ich ausgerechnet nach Schweden wollte (auch eine häufig gestellte Frage) und wieso ausgerechnet im Winter (fast genau so häufig gestellt). Den ganzen Beitrag lesen »

FAQ (2): Wie ist das Wetter?

Mittwoch, den 14. November 2007

Gelegentlich werde ich nach der aktuellen Wettersituation gefragt. Das mag zum einen einfach nur Small-Talk sein, aber sicherlich interessiert es auch so manchen. Ich könnte hier jetzt auf diese Frage aktuell antworten (Sonnenschein, bei um die 0 Grad und es liegt etwas Schnee), allerdings hat Wetter halt die Eigenschaft, dass es sich ändert, weswegen eine solche Frage für ein FAQ wohl auch eher ungeeignet ist. Allerdings habe ich ein kleines Plugin für Wordpress (die Blogsoftware) gefunden, mit dem man sich die aktuelle Wettersituation anzeigen lassen kann (dafür muss man auf die Startseite gehen). Jetzt kann also jeder Besucher meines Blogs sehen, welches Wetter in Stockholm gerade ist. Ganz schön praktisch.

FAQ (1): Wie verdient JAlbum eigentlich Geld?

Samstag, den 10. November 2007

Da ich bestimmte Fragen mehr als einmal gefragt werde, habe ich mich entschieden die Rubrik FAQ (Frequently Asked Questions) hier einzurichten, in denen ich auf solche Fragen dann öffentlich antworte, da ich davon ausgehe, dass es sicherlich auch noch andere Leute interessiert, als die fragenden Personen. Wenn ihr also noch irgendwelche anderen Fragen zu meinem Praktikum oder Schweden im Allgemeinen habt, fragt (per E-Mail oder in den Kommentaren) und ich werde euch entweder persönlich Antworten, oder die Antwort hier in meinem Blog posten.

Eine der häufigsten Fragen bisher, die mir gestellt wurde, als ich über JAlbum erzählt habe war:

Wie verdient JAlbum eigentlich Geld, wenn ihr die Software kostenlos anbieten? 

Nun, die kurze Antwort lautet: Noch gar nicht!
Naja, wir verdienen durchaus auf verschiedenen Wegen bereits Geld: Zum einen durch Werbung auf unserer Seite, zum anderen durch das Hosting, wo man sich bis zu 10 GB Online-Speicherplatz für eine Fotos kaufen kann. Darüber hinaus gibt es auch noch Spenden und Kommissionen, wenn sich Nutzer ihre Fotos als Fotobücher über einen unserer Partner ausdrucken und binden lassen. Die Spenden und die Kommissionen spielen jedoch nicht so eine große Rolle, wie die anderen beiden Einnahmequellen.

Allerdings reicht das alles nicht aus um unsere Kosten zu decken. Daher haben wir eine Venture Capital Firma, die uns finanziert: Nordic Venture Partners ( www.nordic.com).

Die klare Meinung von allen, die hier arbeite ist, dass das Programm auch in Zukunft kostenlos verfügbar sein soll. Wir hoffen gerade den Bereich Hosting noch auszubauen, was nicht schwer fallen sollte, da der Service erst Anfang Oktober gestartet ist.

Ich hoffe, das beantwortet diese Frage weitestgehend. Bitte habt Verständnis, dass ich nicht weiter ins Detail gehe.

Und wie gesagt: wenn ihr Fragen habt, fragt!